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Rheinhessische Patienteninformation
 

Bedeutung der Blutspende für die moderne Hochleistungsmedizin

 
 

Dr. med. Walter E. Hitzler,

Direktor der Transfusionszentrale des Klinikum der Johannes Gutenberg-Universität, Mainz

„Blut ist ein ganz besonderer Saft". Nicht nur in Goethes Faust, sondern von alters her hat Blut als „Lebenssaft" die Phantasie der Ärzte, der Gläubigen und der Mystiker angeregt. Bereits im alten Babylon wußten die Ärzte, daß dieser „Saft" eine besonders wichtige Funktion für das körperliche Geschehen besitzt. In prähistorischen Zeichnungen wurde die lebensspendende Substanz durch die rote Farbe Ocker symbolisiert. Die alten Ägypter badeten in Blut zur Behandlung der Elephantiasis, einer parasitär verursachten Krankheit. Auch wenn es noch lange dauern sollte, bis man die konkrete Funktion und Bedeutung des Blutes kannte, so wurde ihm über Jahrhunderte hinweg in den verschiedensten Kulturen stets eine besondere Wichtigkeit zugemessen - sei es als Träger des Lebens, der Seele und der Lebenskraft oder als Träger des menschlichen Temperaments.

Die naturwissenschaftliche Erforschung von Blut und Entdeckung der Blutgruppen durch Karl Landsteiner vor 100 Jahren erschloß neue Möglichkeiten bei operativen Eingriffen und in der Geburtshilfe und wurde zu einem Meilenstein in Richtung medizinischer Fortschritt.

Warum ist Blutspenden so wichtig?
Ein Blutersatz mit künstlichem Blut ist bisher noch nicht möglich, so daß die Versorgung kranker Menschen mit Blut nur durch die freiwillige Blutspende erfolgen kann. Viele große medizinische Fortschritte sind heute nur möglich, wenn menschliches Blut in ausreichender Menge zur Verfügung steht. Durch die moderne Notfall- und Intensivmedizin sowie neue Methoden und Therapieformen besteht ein großer Bedarf an Blutprodukten. Durch einen Verkehrsunfall oder eine andere schwere Erkrankung kann jeder plötzlich in die Lage geraten, Bluttransfusionen zu benötigen. Die moderne Medizin wäre ohne Blutspender/Blutspenderinnen überhaupt nicht möglich.
Allen Ortes spenden jedoch zu wenige Menschen Blut.

Wer kann Blut spenden?
Die Blutspende setzt die Freiwilligkeit des Spenders/der Spenderin voraus. Zum Blutspenden kann jeder gesunde Mensch (keine regelmäßige Einnahme von Medikamenten) im Alter zwischen 18 und 65 Jahren, der einen festen Wohnsitz in der Bundesrepublik Deutschland hat, einen gültigen, amtlichen Lichtbildausweis (Personalausweis, Führerschein) vorlegt und die übrigen Spendebedingungen (siehe dort) erfüllt. Die Spendebedingungen sind von der Bundesärztekammer und staatlichen Überwachungsbehörden vorgegeben.

Was muss vor der Spende unter anderem beachtet werden?
Ein Blutspender/eine Blutspenderin muss gesund und zur Spende geeignet sein. Bis auf wenige Ausnahmen (z.B. Einnahme der "Pille" oder von Schilddrüsenhormonen) darf keine regelmäßige Medikamenteneinnahme erfolgen, muss ein Körpergewicht von mindestens >50 kg vorliegen (=> ausreichendes Blutvolumen), sowie ein ausreichenden Blutdruck und genügend Blutfarbstoff (Hämoglobin) vorhanden sein. Angehörige so genannter Infektionsrisikogruppen müssen von Blutspenden ausgeschlossen werden. In einigen Fällen kann jedoch auch bei normalerweise zur Blutspende geeigneten Personen eine befristete Zurückstellung von der Blutspende (z.B. nach Aufenthalt in Malariaendemiegebieten oder in Ländern mit überdurchschnittlich vielen infektiösen Gelbsuchterkrankungen oder HIV-Infizierten) nötig werden. Auch nach ernsthaften Erkrankungen, Operationen, Blutübertragungen und Impfungen, nach Tätowierungen und Piercing sind u.a. Rückstellfristen zu beachten. Vor der Spende sollte eine leichte, nicht fette Mahlzeit eingenommen haben.

Wie viel Blut wird entnommen und wie oft darf ich spenden?
Zu der eigentlichen Blutspende von ca. 500 ml werden noch etwa 20-30 ml für die vorgeschriebenen Laboruntersuchungen abgenommen. Diese Untersuchungen unterliegen selbstverständlich der ärztlichen Schweigepflicht und dienen sowohl der gesundheitlichen Fürsorge des Blutspenders/der Blutspenderin als auch dem Schutz des Blutempfängers. Um dem Körper ohne gesundheitliche Belastung genügend Zeit zum Ausgleich des Blutverlustes zu lassen, dürfen Frauen höchstens 4 mal und Männer höchstens 6 mal innerhalb eines Jahres spenden; der Zeitraum zwischen zwei Spenden muss mindestens acht Wochen betragen.

Was muss nach der Spende beachtet werden?
Normalerweise können Blutspender/Blutspenderinnen eine halbe Stunde nach der Spende wieder am Straßenverkehr teilnehmen. Allerdings kann die Fahrtüchtigkeit gelegentlich bis zu zwei Stunden beeinträchtigt sein. Falls eine Tätigkeit ausgeübt wird, bei der man sich oder andere durch einen Kollaps ernsthaft gefährden können (z.B. Bus- und Taxifahrer, Dachdecker, Fensterreiniger o.ä.), sollten diese Tätigkeiten erst nach ca. 6 Stunden wieder aufgenommen werden. Intensives Sporttraining und ähnliche Anstrengungen sollten am gleichen Tag vermieden werden. Der Flüssigkeitsverlust kann durch das Trinken nicht alkoholischer Getränke schnell ausgeglichen werden.

Welche Nebenwirkungen können beim Spenden auftreten?
In der Regel treten durch die Blutentnahme keine merkbaren Störungen des körperlichen Wohlbefindens auf. Blutbildveränderungen mit Blutarmut (Anämie, z.B. Eisenmangel) sowie Änderungen der Zahl der weißen Blutzellen und Blutplättchen sind selten. 11% der Blutspender/innen geben sogar als Motivation zur Blutspende an, daß sie sich nach einer Spende besser fühlen. Vereinzelt können harmlose Kreislaufstörungen, insbesondere bei der ersten Spende, auftreten, welche durch kurzzeitiges Ruhen nach der Spende weitgehend vermeidbar sind. Noch seltener sind Schädigungen von Blutgefäßen (Venen, Arterien) und Nerven sowie Entzündungen durch Punktion der Einstichstelle. Eine Übertragung von Infektionskrankheiten beim Blutspenden ist ausgeschlossen, da ohne Ausnahme sterile geschlossene Einmalsysteme und Einmalkanülen zur Blutentnahme benutzt werden.

Vorteile des Blutspendens
Häufiges regelmäßiges Blutspenden hat keine nachteiligen Auswirkungen auf die Gesundheit des Blutspenders/der Blutspenderin. Die ärztliche Beurteilung zur Spendefähigkeit (Blutdruckmessung und Pulsmessung) verbunden mit laborchemischen Untersuchungen bei jeder Blutspende schützen die Gesundheit des Spenders/der Spenderin und können zur Früherkennung von Krankheiten beitragen. Bei regelmäßigen Blutspenden sollte eine medikamentöse Eisensubstitution erfolgen. Bei jeder Blutspende werden aktuelle Blutuntersuchungen durchgeführt: Messung von rotem Blutfarbstoff (Hb), den Leberwerten, virologische Untersuchungen (Hepatitis B, C, AIDS, Lues).

Was geschieht mit dem Blut?
Um eine gezielte Behandlung der Patienten mit Blutbestandteilen zu ermöglichen, wird das Blut durch Zentrifugation aufgetrennt. Man erhält ein Konzentrat roter Blutkörperchen (max. 6 Wochen im Kühlschrank haltbar) und ein Blutplasma (2 Jahre tiefgefroren haltbar). Aus einem Teil der gespendeten Blutkonserven werden zusätzlich die Blutplättchenkonzentrate (Thrombozyten, 5 Tage bei Raumtemperatur haltbar) gewonnen.

Wofür wird das Blut verwendet?
Die Blutspende von etwa 500 ml wird durch Zentrifugation in drei Präparate aufgeteilt:

  1. Erythrozytenkonzentrat mit den "roten Blutkörperchen" als lebenswichtige Sauerstofftransportzellen
  2. Thrombozytenkonzentrat mit den Blutplättchen für die Blutstillung und
  3. Frischplasma mit den so genannten Gerinnungsfaktoren für die Blutgerinnung.
    Durch die Aufteilung in drei Präparate kann die Blutspende gezielt und effektiv zur Versorgung mehrerer Patienten beitragen.

Nicht nur zur Rettung von Unfallopfern und bei Operationen mit großem Blutverlust werden diese Komponenten benötigt, auch viele andere Behandlungen z.B. zur Heilung von Patienten mit bösartigen Tumorerkrankungen könnten ohne Blutspenden nicht durchgeführt werden.

Was ist eigentlich Blut?
Blut ist ein Organ mit lebenden Zellen und vielen kleinen Teilchen, das jedes für sich eine für das Leben notwendige Funktion hat. Blut kann nur von Körper selbst gebildet werden und ist deshalb durch nichts zu ersetzen.

Rote Blutkörperchen (Erythrozyten)
Die roten Blutkörperchen (Erythrozyten) sind für den lebenswichtigen Sauerstofftransport von der Lunge zu den Körperzellen zuständig. Sie transportieren die Atemgasse Sauerstoff von den Lungen zu den Organen und Körperzellen und Kohlendioxid von dort zu den Lungen. Jeder Mensch kann einen gewissen Blutverlust ausgleichen und verkraften. Ein gesunder Erwachsener kann 1 bis 1,5 l Blut verlieren, ohne das schwere Schäden auftreten. Der Körper kann jedoch die Organe nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff versorgen, wenn der Blutverlust ein bestimmtes Maß übersteigt. Bei schwereren Unfällen und Verletzungen, bei inneren Blutungen oder bei Krankheiten, bei denen der Körper nicht mehr selbst ausreichend Blut bilden kann, müssen die Erythrozyten dann so schnell wie möglich durch eine Bluttransfusion ersetzt werden.

Weiße Blutkörperchen (Leukozyten)
Die weißen Blutkörperchen (Leukozyten) sind in der Lage, körperfremde Zellen und Gewebe, also auch Krankheitserreger zu erkennen. Die Fähigkeit des Körpers, eingedrungene Fremdkörper und Krankheitserreger unschädlich zu machen, ist vor allem an Freßzellen (Phagozyten) und an antikörperbildende Blutzellen (Leukozyten) gebunden.

Blutplättchen (Thrombozyten)
Blutplättchen sind wichtig für die Blutgerinnung und werden bei sehr großen Blutverlusten transfundiert. Die Blutplättchen haben einen entscheidenden Anteil an der Blutstillung. Sie wirken bei einer Verletzung durch Verkleben mit den Wundrändern wie ein „inneres Pflaster". Sie werden häufig für Patienten mit Blutkrebserkrankungen benötigt.

Blutflüssigkeit (Plasma)
In der Blutflüssigkeit, dem Blutplasma, befinden sich Eiweißstoffe, die für die Aufrechterhaltung der Flüssigkeitsmenge in den Adern wichtig sind (z.B. Albumin). Die Gerinnungsfaktoren sind ebenfalls Eiweißverbindungen, die im Zusammenspiel mit den Blutplättchen und der Wundoberfläche für die Blutstillung notwendig sind. Bei sehr großen Blutverlusten oder Operationen wird Plasma transfundiert, ebenso bei Blutungskomplikationen mit einer Störung der Blutgerinnung. Viele wichtige Medikamente wie z.B. Gerinnungspräparate für Bluter, Präparate für Intensivpatienten und Mittel gegen schwere Infektionen werden aus Plasma hergestellt.

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