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Das Gesundheitssystem in Großbritannien

 
 

Das britische Gesundheitssystem basiert auf der Idee des Wohlfahrtsstaates. 1948 wurde der Nationale Gesundheitsdienst NHS (National Health Service) ins Leben gerufen, der bis heute eine Sonderstellung in der Gesundheitspolitik westlicher Demokratien einnimmt: Er ist der Prototyp einer staatlichen Gesundheitsversorgung. Die Idee: Das staatliche Gesundheitssystem sollte eine bessere Volksversorgung gewährleisten und dadurch geringere Kosten verursachen.

Der NHS wird überwiegend aus Steuermitteln finanziert. Nur ein geringer Teil wird durch Sozialversicherungsbeiträge abgedeckt.

Die Inanspruchnahme des NHS ist größtenteils kostenlos. Lediglich bei einigen wenigen Leistungen müssen die Patienten einen Eigen-anteil leisten. So sind beispielsweise Zuzahlungen für Rezepte, Brillen oder Zahnersatz die Regel.

Mit über 1 Million Beschäftigten ist der NHS der größte zivile Arbeitgeber in Europa. Schätzungen zufolge sind über 90 Prozent der britischen Ärzte beim NHS beschäftigt. Dennoch sind sie keine Staatsangestellten. Die British Me-dical Association, der als Gewerkschaft anerkannte britische Ärzteverband, handelt die Arzthonorare mit Vertretern des Gesundheitsministeriums aus.

Organisation des NHS
Der NHS ist eine staatliche Einrichtung, die unter direkter Regierungsverantwortung steht. Er ist den vier Gesundheitsministerien des Königreiches (England, Schottland, Wales, Nordirland) unterstellt und wird von einem eigenen Beamtenapparat, der NHS-Exekutive (NHSE), geführt. Die NHSE wiederum hat in England acht regionale Stellen (Regional Offices), die eine wichtige Position in der Kette der Verantwortlichkeiten zwischen der untersten Ebene und der Zentrale einnehmen. Sie sind beispielsweise für die Implementierung nationaler gesundheitspolitischer Beschlüsse auf regionaler Ebene zuständig. Unterhalb der Regional Offices befinden sich die lokalen Health Authorities (HA), die für die operative Gesundheitsverwaltung eigentlich zuständigen Behörden. Die HA erhalten vom NHS ein Budget, das sich an der Zahl der zu versorgenden Einwohner orientiert.

Partnerschaftliche Zusammenarbeit
Seit 1990 wurde die Organisation des britischen Gesundheitssystems einigen grundlegenden Veränderungen unterzogen. Patienten wurde z.B. die Möglichkeit der freien Arztwahl eingeräumt. Unter Margaret Thatcher wurden Angebots- und Nachfragestrukturen im NHS eingeführt, die Effizienzgewinne erbringen sollten, ohne neue Kosten zu verursachen. Die La-bour-Party kritisierte dieses Prinzip, das letztlich keine Verbesserungen mit sich brachte, von vornherein. Sie sah darin eine Prioritätenverschiebung weg von der sachgerechten Versorgung hin zu

Kosten-Nutzen-Entscheidungen sah. Nach der Regierungsübernahme durch Tony Blair fanden deshalb umfassende organisatorische Veränderungen statt. Die Intention der Labour Party war es, die Konkurrenzsituation durch partnerschaftliche Zusammenarbeit zwischen den Beteiligten zu ersetzen.

Ambulante und stationäre Versorgung
Die Zuständigkeiten von Kliniken und niedergelassenen Ärzten sind in Großbritannien klar abgesteckt. Die ambulante Versorgung übernehmen vornehmlich Allgemeinärzte (General Practioner —GP), Zahnärzte und Augenärzte. 95 Prozent aller Erstkontakte von Patienten mit dem Gesundheitswesen finden über Allgemeinärzte statt, die ü-berwiegend in Gemeinschaftspraxen arbeiten.

Die Krankenhäuser sind für die stationäre und ambulante fachärztliche Versorgung zuständig. 95 Prozent der Betten stehen in Krankenhäusern des NHS, der Rest wird privat betrieben. Auch fachärztliche Behandlungen erfolgen - anders als in Deutschland - ausschließlich in den Ambulanzen der Krankenhäuser. Fachärzte, die in Kliniken tätig sind, dürfen zwar Privatpraxen betreiben. Die Patienten müssen die anfallenden Kosten allerdings komplett selbst übernehmen.

Das größte Problem des britischen Gesundheitswesens ist die chronische Unterfinanzierung. Das Aus-gabenwachstum im öffentlichen Gesundheitswesen ist jedoch im europäischen Vergleich gering. Der durchschnittliche Ausgabenquotient in den OECD-Ländern stieg zwischen 1980 und 1998 von 6,9 auf 8,3 Prozent des Bruttoinlandproduktes. In Deutschland stieg der Anteil der Gesundheitsausgaben am BIP —bedingt durch die Wiedervereinigung — von 8,8 auf 10,3, in Großbritannien lediglich von 5,6 auf 6,8 Prozent. Auch im Jahr 2000 blieben die Gesundheitsausgaben im Vereinigten Königreich auf einem verhältnismäßig niedrigen Niveau. Die Briten lagen mit 7,3 Prozent ihres BIPs unter dem OECD-Durchschnitt von 8,0 Prozent. Deutschland wendete 10,6 Prozent seines BIPs für Gesundheitsleistungen auf.

Eine Folge dieser knappen Finanzierung ist die Abwanderung vieler britischer Ärzte und Krankenschwestern, die im Ausland mehr verdienen können und dort zum Teil bessere Arbeitsbedingungen vorfinden. Das schwerwiegendste Problem stellen jedoch die Versorgungsengpässe dar, die durch rückläufige Krankenhauskapazitäten entstanden sind. Großbritannien hält den traurigen Rekord der längsten Wartelisten in Westeuropa. Sie treffen insbesondere Personen, bei denen nicht lebensnotwendige Operationen wie etwa Hüftgelenkoperationen durchgeführt werden müssten.

Zur OP ins Ausland
Auf Grund dieser Engpässe werden britische Patienten mit akuten Gesundheitsproblemen und starken Schmerzen seit Jahresanfang in teuren Privatkliniken behandelt oder zu Operationen ins westeuropäische Ausland überweisen - auf Staatskosten. Die Praxis der Blair-Regierung, NHS-Patienten zur Operation ins Ausland zu schicken, wird von vielen britischen Medizinern nicht geteilt. Eine Umfrage der British Medical Association (BMA) ergab jedoch, dass ein Viertel der Patienten bereit wäre, für eine Operation ins Ausland zu gehen - aus Enttäuschung über das britische Gesundheitswesen.

www.who.int/country/gbr/en/

 
 
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