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Rheinhessische Patienteninformation
 

Das Gesundheitssystem Finnlands

 
 

Das öffentliche Gesundheitssystem in Finnland wird überwiegend aus Steuergeldern - teils aus der Gemeindesteuer, teils aus staatlichen Steuermitteln -finanziert. Im EU-Vergleich gibt das Land verhältnismäßig wenig für Geld für die Gesundheitsversorgung seiner Bevölkerung aus. Die Ausgaben liegen durchschnittlich unter sieben Prozent des Bruttoinlandpro-dukts.

Obwohl die medizinischen Leistungen überwiegend durch kommunale Einrichtungen angeboten und aus Steuermitteln finanziert werden, gibt es zudem eine einheitliche Krankenversicherung, die für alle verpflichtend ist. Hierbei handelt es sich um ein Kostenerstattungssystem, in das alle in Finnland zugelassenen Ärzte einbezogen sind. Die Versicherung übernimmt beispielsweise die Kosten für verschriebene Medikamente und Krankentransporte. In erster Linie ist sie allerdings dazu da, Einkommensausfälle bei Krankheit und Entschädigungen für Elternschaftsurlaub auszugleichen. Die Krankenversicherung wird von den Versicherten über die Steuer finanziert. Die Defizite trägt der Staat.

Versorgung in Gesundheitszentren
Für die Organisation des Gesundheitswesens sind die rund 450 Gemeinden zuständig. Ambulante Leistungen werden überwiegend durch Gesundheitszentren erbracht, die größere Gemeinden allein oder Verbände benachbarter Gemeinden gemeinsam errichten und finanzieren. Größe und Leistungsangebot der verschiedenen Gesundheitszentren variieren sehr stark. In den großen Zentren, wie z.B. in Helsinki, sind mehrere Hundert Ärzte beschäftigt. In entlegenen Gebieten wird hingegen lediglich Basis- und Notfallmedizin angeboten. In der Regel verfügen die Gesundheitszentren über eine stationäre Einrichtung, in der leicht oder chronisch Erkrankte behandelt werden können. Zudem sind gewöhnlich ein kleines Labor, eine radiologische Abteilung und eine Einrichtung für physiotherapeutische Behandlungen vorhanden.

In jüngerer Zeit wurde in den Gesundheitszentren das Hausarztsystem eingeführt. Die Patienten sollen so ihren Arzt schneller erreichen können. Zudem soll der Therapiebedarf der Patienten innerhalb von drei Tagen festgestellt werden. Jeder Hausarzt, der in einem Gesundheitszentrum beschäftigt ist, ist für etwa 2.000 Patienten zuständig, die bei ihm eingeschrieben sind.

Betriebliche Gesundheitsfürsorge
Zum Dienstleistungsangebot der Gesundheitszentren gehören weitere Komponenten wie Schwangerschaftsberatungen, Schuluntersuchungen, Präventi-onsmaßnahmen, Zahnbehandlungen und arbeitsmedizinische Angebote. Die Arbeitgeber in Finnland sind verpflichtet, ihren Arbeitnehmern eine betriebliche Gesundheitsfürsorge anzubieten. Diese kann sowohl von den Gesundheitszentren als auch von Privatärzten durchgeführt werden. Rund vier Prozent der Mediziner arbeiten in der betrieblichen Gesundheitsfürsorge.

Finnland ist in 20 Krankenhausbezirke eingeteilt, die alle über ein Zentralkrankenhaus mit Abteilungen für die meisten fachärztlichen Bereiche verfügen. Die Finanzierung und Organisation der Kliniken wird jeweils von den Gemeinden übernommen, die zu einem Distrikt zusammengeschlossen sind. Insgesamt gibt es fünf Universitätskliniken in Finnland. Diese sind hauptverantwortlich für die medizinische Forschung und die klinische Ausbildung von Medizinstudenten.

Durch eine starke Reduzierung der Krankenhauskapazitäten ist es Finnland zwischen 1990 und 2000 gelungen, den Anteil der Gesundheitsausgaben am Bruttoinlandsprodukt um 16 Prozent zu senken. Dies führte zu Verlagerungen in den ambulanten Sektor, dessen Kapazitäten allerdings nicht ausgebaut wurden. Die Folge sind erhebliche Wartezeiten sowohl in der Versorgung durch die Gesundheitszentren als auch in der Facharztversorgung.

Das Medizinstudium dauert sechseinhalb Jahre und erfolgt an fünf Universitäten. Die Zahl der Bewerber an den medizinischen Fakultäten übersteigt bei weitem die Zahl der Studienplätze. Die Finnen setzen auf problemorientiertes Lernen, d.h. die Studenten haben von Beginn ihrer Ausbildung an Kontakt zu Patienten. Überdies müssen die Medizinstudenten an vorgeschriebenen theoretischen Veranstaltungen teilnehmen und zum Abschluss an einer schriftlichen Prüfung teilnehmen. 1999 wurde die Facharztausbildung reformiert. Dabei wurde die Zahl der Facharztbereiche auf 49 reduziert. 33 der Ausbildungsprogramme dauern sechs Jahre, für die weiteren 16 Facharztbereiche ist eine Ausbildungszeit von fünf Jahren vorgesehen.

Im Jahre 2002 belief sich die Zahl der Ärzte in Finnland auf über 19.000, davon etwa 50 Prozent Frauen. Rund 60 Prozent des Berufsstandes sind spezialisierte Fachärzte. Nur knapp neun Prozent der finnischen Ärzte sind hauptberuflich als Privatärzte außerhalb von Gesundheitszentren tätig. Allerdings haben etwa ein Drittel der Fachärzte, die in Gesundheitszentren oder Kliniken tätig sind, nebenher eine Privatpraxis. Gegenwärtig arbeiten die meisten privatärztlich tätigen Mediziner in Gemeinschaftspraxen.

Aufgaben der Ärzteverbände
Rund 95 Prozent der finnischen Ärzte gehören dem Finnischen Ärzteverband an, obwohl die Mitgliedschaft freiwillig ist. Sie sind automatisch Mitglieder der lokalen Sektionen des Verbandes. Zu den Auf-

gaben des Ärzteverbandes gehört die Sicherstellung der wirtschaftlichen Interessen und angemessenen Arbeitsbedingungen der Ärzte. Überdies fördert der Verband die Weiterentwicklung des beruflichen Qualifikation der Ärzte und setzt sich dafür ein, den Standard der beruflichen Ethik aufrechtzuerhalten. Auch die Auseinandersetzung mit gesundheitspolitischen Fragen und die Erarbeitung gesundheitspolitischer Konzepte gehört zu den Aufgaben des Ärzteverbandes.

Ein herausragender Erfolg der finnischen Gesundheitspolitik ist die Eliminierung von Masern, Mumps und Röteln durch freiwillige Schutzimpfungen. Dies ist mit Hilfe einer konsequenten Impfstrategie gelungen, die auch versäumte Impfungen bei älteren Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen auffängt. Zudem hat eine groß angelegte Informationskampagne in den Massenmedien dazu beigetragen, das Bewusstsein für die Gefährlichkeit der Krankheiten zu schärfen. Die Impfraten stiegen dadurch auf 96 Prozent.

Internet: www.laakariliitto.fi/files/SAKSA.pdf

 
 
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