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Rheinhessische Patienteninformation
 

Das niederländische Gesundheitssystem

 
 

Das niederländische Gesundheitssystem basiert auf dem Sozialversicherungsprinzip. Die medizinischen Leistungen werden aus drei verschiedenen Topfen finanziert. Die erste Säule, die Allgemeine Versicherung für besondere Krankheitskosten (AWBZ), ist eine allgemeine Pflichtversicherung für alle Einwohner. Die Prämie für diese staatlich verwaltete Versicherung ist einkommensabhängig. Die AWBZ deckt Risiken wie Langzeit-behandlungen und -pflege, psychiatrische Behandlungen und Behin-dertenfürsorge ab.

Daneben gibt es die gesetzliche und private Krankenversicherung, die für die ambulante und stationäre Akutversorgung, Arzneimittel und die zahnärztliche Versorgung bei Kindern aufkommt Wie in Deutschland richtet es sich nach dem Einkommen, welcher der beiden Versicherungen ein Patient angehört Knapp zwei Drittel der Niederländer sind in einer der gesetzlichen Krankenversicherungen pflichtversichert Alle Personen, deren Einkommen die jährlich aufgewertete Lohngrenze nicht überschreitet, sind pflichtversichert. Erwerbstätige mit einem Einkommen oberhalb der Lohngrenze sowie Selbstständige und Staatsbeamte sind von der Pflichtversicherung ausgenommen. Der überwiegende Teil von ihnen ist allerdings bei einer der privaten Krankenkassen versichert. Privatversicherte haben die Möglichkeit, zwischen verschiedenen Leistungspaketen zu wählen. Die Hohe des Versicherungsbeitrags variiert je nach Leis-

tungsumfang und Versicherung. Darüber hinaus gibt es noch jene Leistungen, die als nicht unbedingt notwendig eingestuft werden. Dazu zahlen beispielsweise zahnärztliche Behandlungen bei Erwachsenen, kosmetische Chirurgie, Kuraufenthalte oder besserer Service in den Krankenhausern. Diese Leistungen müssen privat finanziert werden, sofern sie nicht durch eine Zusatzversicherung abgedeckt sind. Sowohl die gesetzlichen als auch die privaten Krankenversicherungen können solche Zusatzleis-tungen anbieten.

Der Hausarzt als Lotse
In den Niederlanden gilt das Primärarztsystem. Die ambulante ärztliche Versorgung hegt weit gehend bei den freiberuflich praktizierenden Allgemeinärzten. Gesetzlich krankenversicherte Patienten müssen sich bei einem Allgemeinarzt ihrer Wahl registrieren lassen. Dadurch sind sie m der freien Arztwahl stark eingeschränkt. Dennoch lassen sich auch viele Privatversicherte bei einem Hausarzt einschreiben, obwohl sie nicht dazu verpflichtet sind Die Allgemeinme-diziner haben eine Lotsenfunktion. Dies bedeutet, dass keine fach-ärztliche oder stationäre Behandlung - mit Ausnahme von Notfallen - ohne die Zuweisung durch den Hausarzt erfolgen darf.

Bis vor einigen Jahren waren All-gemeinärzte überwiegend in Einzelpraxen tätig. Derzeit gibt es jedoch eine Tendenz zu Gemeinschaftspraxen, die wirtschaftlich

rentabler sind. Für die Patienten sind damit aber unter Umständen weitere Einschränkungen m der Arztwahl verbunden, da sie nicht langer bei einem bestimmten Arzt, sondern bei einer Praxisgemeinschaft - und damit bei mehreren Ärzten gleichzeitig - eingeschrieben sind.

Facharztbehandlung im Krankenhaus
In den Niederlanden gibt es keine freie Facharztwahl. Die fachärztli-che Behandlung findet fast ausschließlich m Krankenhausern statt. Die meisten Fachärzte sind nicht fest angestellt, sondern arbeiten als abhängig Beschäftigte der Kliniken. Viele sind sogar regelmäßig m mehreren Krankenhausern gleichzeitig tätig. Abgesehen von den neun Universitätskliniken sind nahezu alle allgemeinen Krankenhauser m den Niederlanden Stiftungen geistlicher Orden. Die Zahl der privaten Krankenhauser, die sich hauptsächlich mit Luxus-leistungen wie Plastischer Chirurgie beschäftigen, ist verschwindend gering.

Die Vergütung
Die Tarife im Gesundheitsbereich werden vom "Zentralorgan für die Tarife im Gesundheitswesen" (COTG) festgelegt. Diese gesetzlich eingerichtete, unabhängige Organisation hat den Auftrag, die Tarife so festzulegen, dass das Budget für das Gesundheitswesen eingehalten werden kann.

Allgemeinärzte werden nach Kopfpauschalen bezahlt. Die Honorare, die von der gesetzlichen Krankenversicherung beglichen werden, rechnet der Arzt direkt mit der Krankenversicherung ab. Privatpatienten übernehmen die Vergütung zunächst selbst und machen einen Rückerstattungsanspruch bei ihrer Versicherung geltend. Die Fachärzte werden nach Einzeltarifen direkt von den Versicherungen bezahlt Dabei wird nicht zwischen ambulanten und stationären Facharztleistungen unterschieden.

Gesundheitsausgaben auf niedrigem Niveau
Die Gesundheitsausgaben der Niederlande lagen 1998 mit 8,7 Prozent des Bruttoin-landsproduktes leicht über dem OECD-Durchschnitt von 8,3 Prozent. Die im Vergleich zu Deutschland (10,3 Prozent) niedrigen Ausgaben sind allerdings mit Qualitäts-einbußen verbunden. Neben dem Trend zu Gemeinschaftspraxen wird beispielsweise auch berichtet, dass die Versorgung der Pflegebedürftigen wieder vermehrt in

Mehrbettzimmern statt Ein-und Zweibettzimmern stattfindet. Auch Wartelisten in den Kliniken sind keine Seltenheit mehr. Aus diesem Grund entscheiden sich die Niederländer vermehrt dafür, Operationen im nahegelegenen Ausland, z.B. m Deutschland, durchführen zu lassen. Überdies fuhren verbindliche Handlungsleitlinien zu Einschränkungen in der Therapiefreiheit.

Schwangerschaftsabbrüche und Sterbehilfe
Mit ihrer liberalen Sterbehilfe- und Abtreibungspolitik haben die Niederlande eine kontroverse Diskussion ausgelost, die weit über die Landesgrenzen hinausgeht. Die Niederlande waren das erste europäische Land, das Sterbehilfe per Gesetz legalisierte Seit Sommer 2001 ist ein entsprechendes Gesetz in Kraft. Bislang folgte nur Belgien mit einem ähnlichen Gesetz Auch die seit den frühen 70er Jahren vorherrschende liberale Praxis des Schwangerschaftsabbruchs ist nicht unumstritten Sie wurde 1984 gesetzlich sanktioniert. In den Niederlanden

sind Schwangerschaftsabbrüche bis zur 22. Woche nach der letzten Periode zulässig, wenn sich eine Frau in einer Notlage befindet. Die "Notlagenindikation" wird durch die Frau selbst gestellt. Anders als in Deutschland reicht es aus, ein Bera-tungsgespräch mit dem behandelnden Arzt zu fuhren. Eine Konfliktberatungsstelle muss nicht hinzugezogen werden. Der Arzt ist dazu verpflichtet, die Frau über den Eingriff, Alternativen zum Abbruch und Verhü-tungsmethoden zu informieren Überdies muss er sich vergewissern, dass die Abtreibung auf freiwilliger Basis stattfindet. Die Rate der Schwangerschaftsabbrüche ist im europäischen Vergleich verhältnismäßig gering. Allerdings werden Abtreibungen bis zum 30 Tag nicht in die Statistiken aufgenommen, sondern gelten als Nidations-hemmungen.

 
 
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