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Rheinhessische Patienteninformation
 

Das schwedische Gesundheitssystem

 
 

Schweden gehört zu den EU-Ländern mit verstaatlichtem Gesundheitssystem Die Finanzierung erfolgt weitgehend aus Steuermitteln. Drei verschiedene Ebenen in Politik und Verwaltung sind für die Steuerung, Organisation und Finanzierung des Systems zuständig.

1. Die nationale Ebene
Auf der nationalen Ebene werden die Grundsätze der gesundheitlichen Versorgung festgelegt. Entsprechende Gesetze und Verordnungen bereitet das Ministerium für Gesundheit und Soziale Angelegenheiten vor. Daneben gibt es das Zentralamt für das Gesundheits- und Sozialwesen, das vom Ministerium organisatorisch unabhängig ist. Diese Behörde überwacht die Qualität des Gesundheitswesens, berät die Regierung in Fragen der Gesundheitsversorgung und stellt Ärzten die Lizenz zur Berufsausübung aus. Die staatliche Auswertungsstelle für medizinisch-technologische Versorgung beurteilt sowohl neue als auch etablierte medizinische Methoden vom medizinischen, sozialen und ethischen Standpunkt aus. Darüber hinaus ist noch das Amt für medizinische Verantwortung zu erwähnen, das bei Verdacht auf Behandlungsfehler aktiv wird. Es prüft den Verdacht und leitet gegebenenfalls Disziplinarmaßnahmen ein. Ferner gibt es die nationale Medizinprodukteagentur, die für die Zulassung und Überwachung von Pharmazeutika verantwortlich zeichnet, sowie das Amt für nationale Sozialversicherung, das zur Abwicklung von Geldleistungen im Krankheitsfall zuständig ist.

2. Die regionale Ebene
In Schweden gibt es 21 Provinziallandtage, in deren Hand die Organisation und Finanzierung des Gesundheitswesens liegt. Da diese Provinziallandtage weitgehend selbstständig sind, organisieren sie das Gesundheitssystem innerhalb des staatlich vorgegebenen Rahmens recht unterschiedlich. Ihre Aufgabe umfasst die Bereitstellung und Finanzierung der stationären und ambulanten medizinischen Versorgung. Die Ausgaben für diese Gesundheitsdienste werden zum größten Teil aus Steuereinnahmen beglichen, die die Provinziallandtage selbst erheben können. Staatliche Zuschüsse und geringe Selbstbehalte decken die Differenz ab. In den frühen 90er Jahren rückten die meisten Provinziallandtage davon ab, feste Zuweisungen an die Leistungsträger zu vergeben, sondern bezahlen Behandlung und Pflege seit dem nach Leistung.

3. Die Gemeindeebene
Die 289 schwedischen Gemeinden sind vor allem für die häusliche Pflege von älteren Menschen und Behinderten sowie für die Errichtung und Erhaltung von Pflegeheimen zuständig. Die Finanzierung erfolgt hauptsächlich aus eigenen Steuereinnahmen und teilweise aus staatlichen Zuschüssen.

Das größte Problem des schwedischen Gesundheitswesens stellen die langen Wartezeiten dar. Seit 1997 soll jeder Patient die Möglichkeit haben, innerhalb von einer Woche einen Hausarzt und innerhalb von drei Monaten einen Facharzt aufsuchen zu können. Viele Arbeitgeber schließen wegen der Wartelisten private Krankenversicherungen für ihre Angestellten ab, die das Ziel haben, eine möglichst rasche Behandlung zu erreichen. Insgesamt spielen private Versicherungen in Schweden jedoch kaum eine Rolle.

Selbstbehalte bis 20 Euro
In welcher Höhe Selbstbehalte von den Patienten zu entrichten sind, legen die Provinziallandtage fest. Für Hausarztbesuche, Klinikaufenthalte oder ambulante Facharztbesuche im Krankenhaus fallen Gebühren zwischen neun und 20 Euro an. Die nationale Kostengrenze von 100 Euro pro Jahr darf allerdings nicht überschritten werden. Kinder und Jugendliche unter 20 Jahren sind komplett von Zuzahlungen befreit. Für Arzneimittel gilt folgendes Prinzip. Die Patienten übernehmen die Kosten bis zu einem Betrag von jährlich 180 Euro selbst. Alles, was darüber hinausgeht, wird subventioniert.

Rund 80 Prozent der Allgemeinärzte (in Schweden als Familienärzte bezeichnet) arbeiten in Gesundheitszentren, die von den Provinziallandtagen geleitet werden. Den Patienten steht die Wahl des Gesundheitszentrums seit einigen Jahren frei. Im Durchschnitt arbeiten drei bis vier Familienärzte, acht bis zehn Krankenschwestern oder -pfleger, eine Hebamme und ein bis zwei Physiotherapeuten in einem Gesundheitszentrum. Einige Zentren verfügen auch über ein Labor oder Röntgengeräte. Die in den Gesundheitszentren tätigen Ärzte sind beim Provinziallandtag angestellt und beziehen ein Gehalt.

Ärzte als Angestellte
Die Primärversorgung wird ferner von Ärzten - meist Praxisgemeinschaften - übernommen, die mit den Provinziallandtagen Verträge abschließen. Diese Verträge sehen in der Regel keine Abrechnung von Einzelleistungen, sondern eine Gesamtvergütung vor. Die Anzahl der Privatärzte ohne solche Verträge nimmt kontinuierlich ab, da ihnen immer seltener eine Niederlassungsgenehmigung erteilt wird. 1999 konsultierten

nur etwa 25 Prozent der Patienten Vertrags- oder Privatärzte. Abgesehen von wenigen Ausnahmen findet die ambulante und stationäre fachärztliche Versorgung ausschließlich in Kliniken statt. Um die Wartezeiten zu verkürzen, können Patienten mittlerweile auch Krankenhäuser aufsuchen, die sich außerhalb ihres Provinziallandtages befinden. Hierzu ist jedoch eine Überweisung nötig.

Auch wenn es in den letzten Jahren zu einigen Privatisierungen gekommen ist, befindet sich der überwiegende Teil der schwedischen Krankenhäuser noch immer in der Hand der Provinziallandtage. Die organisatorische Struktur der Kliniken unterscheidet sich je nach Provinz. Gut 70 Prozent der Ärzte sind in Krankenhäusern beschäftigt. Damit sind sie Arbeitnehmer der jeweiligen Provinz und beziehen ein festes Gehalt, das allerdings je nach Provinz und Qualifikation variiert. Die Gehälter der Spezialisten werden individuell ausgehandelt. Nur wenige Krankenhausärzte führen nebenher eine eigene Praxis.

Die schwedischen Ärzte werden von der Schwedischen Ärztevereinigung vertreten. Die Mitgliedschaft beruht zwar auf freiwilliger Basis, tatsächlich gehören aber über 90 Prozent der Ärzte dieser Vereinigung an. Zu den Funktionen zählen die Überwachung der Ärzteausbildung, die Evaluierung von Ausbildungsstätten und gewerk-schaftliche Aufgaben wie die Verhandlung der Ärztegehälter. Ferner kümmert sich die Ärztevereinigung um Fragen der Berufsethik und nimmt Stellung zu gesundheitspolitischen Fragen.

 
 
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