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Rheinhessische Patienteninformation
 

ADS

 
 

Dr. Helga Simchen

Kinderarzt / Kinderneurologe / Kinder- und Jugendpsychiater
Tiefenpsychologische Psychotherapie / Verhaltenstherapie / Systemische Familientherapie / Hypnose
Bonifaziusplatz 4a 55118 Mainz Tel.: 06131-618711

Die häufigsten Begleiterscheinungen und Folgeerkrankungen beim ADS

Das Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom mit Stimulanzien behandeln? Ja oder nein? - Eine schwierige Frage, deren Beantwortung sowohl gute Kenntnisse der ADS-Problematik, Verantwortung und Klarheit darüber voraussetzt, was man wie mit der Behandlung erreichen will. Diese sollte vordergründig der besseren Alltagsbewältigung dienen, die seelischen Verletzungen beseitigen und ein positives Selbstwertgefühl aufbauen. Dazu eignet sich am ehesten die Verhaltenstherapie, allein oder in Kombination mit der Stimulanzientherapie, je nach Schwere der Symptomatik. Der Therapieansatz sollte problembasiert, lösungsorientiert, personen- und familienzentriert sein.

ADS ist eine neurobiologisch bedingte Störung im Stirnhirnbereich, wobei ein Mangel an verfügbaren Botenstoffe wesentlich sein Erscheinungsbild bestimmt. Das ADS wird vererbt. Wenn auch die meisten Autoren noch von einem Vererbungsgrad von 60-70% ausgehen, wie man es noch in vielen Beiträgen liest, so muss man aber bedenken, dass in dieser Statistik das ADS ohne Hyperaktivität gar nicht oder sehr unvollständig erfaßt wird, weil seine Diagnostik recht schwierig ist.

Beiden gemeinsam sind folgende Funktionsbeeinträchtigungen:

  • Viel zu viele Wahrnehmungen treffen ungefiltert auf das Gehirn
  • Aufmerksamkeit und Konzentration können nicht willentlich über eine längere Zeitspanne konstant gehalten werden
  • Selbstorganisation und Aktivierung für eine Routinetätigkeit fallen schwer
  • Die Gefühlssteuerung ist spontan und ungebremst
  • Zwischen Kurz- und Langzeitgedächtnis kommt es zu Informationsverlusten
  • Die verschiedensten motorischen Bereichen können betroffen sein

Das Spektrum der Symptomatik ist groß, es schwankt zwischen zu wenig und zu viel Aktivität, Hochbegabung mit und ohne schulischem Versagen, von hoher sozialer Anerkennung bis zum dissozialen Verhalten, wobei aber die Hauptsymptome immer und über einen längeren Zeitraum vorhanden sein müssen und die Psychodynamik in der Entwicklung von Begleiterscheinungen und Folgekrankheiten (Komorbiditäten) jederzeit nachvollzogen werden kann.

Das ADS wird nicht nur wegen seiner Akutsymptomatik behandelt, sondern vor allem, um seine Spätfolgen zu vermeiden. Der Ausgangspunkt dafür ist meist eine zu starke seelische Belastung bei schlechtem Selbstwertgefühl.

Das Selbstwertgefühl entwickelt sich aus

  • der genetischen Grundausstattung
  • den täglichen Erfahrungen, die ein Mensch während seines Lebens sammelt und für sich auswertet
  • der Anerkennung und Akzeptanz, die er von der Umgebung erfährt
  • der Stärke seiner Einflußname auf das Denken und Handeln anderer
  • der Erfüllung seiner an sich gestellten Erwartungen

ADS-Folgen

Überblick über einen möglichen Zusammenhang zwischen ADS, seinen Begleiterscheinungen und Folgeerkrankungen in ihrer Psychodynamik

vorwiegend hyperaktiv

ADS

vorwiegend hypoaktiv

+

Wahrnehmungsstörungen

Lese-Rechtschreibschwäche

¯

Lese-Rechtschreibschwäche

Teilleistungsstörungen

Rechenschwäche

Rechenschwäche

¯



Verweigerungshaltung

Lerndefizite

Schulangst

¯

Mißerfolgserlebnisse

¯

Enttäuschung und Frust

Aggressivität

verschiedene Ängste

¯

und Zwänge, selbstverletzende Handlungen

innere Verunsicherung

¯


negatives Selbstwertgefühl

Eßstörung

¯



Einnässen und Einkoten

Rückzug und Regression

Einnässen

¯


Kopf- u. Bauchschmerzen

Kopf- u. Bauchschmerzen

psychosomatische Beschwerden

Alpträume

¯

Schlafwandeln


Selbstwertkrise

Panikattacken, Blackouts

¯

.

oppositionelles Verhalten

Angststörungen

¯

legale u. illegale Drogen

¯

¯

Borderline Struktur

Dissozialität

depressive Episoden

¯

Kriminalität







Manche Begleiterscheinungen des ADS sind so häufig, dass sie für dessen Diagnostik bereits einen hinweisenden Charakter haben. Dazu gehören;

  • Das oppositionelle Verhalten, was 40-60% der Hyperaktiven entwickeln.
  • Etwa 60% aller Kinder mit Lese-Rechtschreibschwäche und 50% aller Kinder mit Rechenschwäche haben ein ADS.
  • Entwicklungsstörungen der Sprache sind ein Leitsymptom für ein beginnendes ADS, ebenso wie die Beeinträchtigung der Fein-, Grob- und Visuomotorik.
  • Bei Kindern mit "Hörproblemen" sollte ein ADS ausgeschlossen werden, denn zwei Drittel aller ADS-Kinder haben eine auditive Wahrnehmungsstörung.
  • Angst und Aggression sind oft die ersten Anzeichen einer schon begonnenen inneren Verunsicherung und sollten immer, wenn sie sich vor und nach der Ein-schulung zeigen, an ein mögliches Vorliegen einer ADS-Veranlagung denken lassen. Frühdiagnostik und Frühbehandlung sind sehr wichtig, denn bereits über Jahre bestehende und eingeschliffene Verhaltensweisen lassen sich viel schwerer beseitigen.

Die Symptomatik der hyperaktiven Kinder wird viel eher erkannt und somit werden diese Kinder auch früher behandelt. Die hypoaktiven Kinder (Kinder mit einem ADS ohne Hyperaktivität) fallen zunächst mit ihrer Problematik nicht auf, sie leiden aber viel mehr. Ein hyperaktives Kind entwickelt schnell einen Schutzmechanismus: Es ist nie etwas gewesen, immer hat der andere Schuld. Es reagiert seinen Frust lautstark, überschießend, spontan und unüberlegt aggressiv nach außen hin ab, vergißt und verzeiht schnell.

Ein hypoaktives Kind dagegen gibt sich immer zuerst die Schuld, verschließt sich schnell, wird regressiv und ängstlich. Angst und ängstliches Verhalten ist sehr häufig das erste Anzeichen einer inneren Verunsicherung mit beginnender Selbstwertproblematik. Diese Kinder entwickeln viel häufiger und wesentlich früher und stärker ein schlechtes Selbstwertgefühl, das die weitere Entwicklung sowohl im Leistungs- als auch im sozialen Bereich wesentlich beeinträchtigt. Unbehandelt kann es zur psychischen Destabilisierung mit Versagensängsten, Rückzug mit kleinkindhaftem Verhalten, Auftreten von autoaggressiven und stereotypen Verhaltensweisen, Zwängen, depressiven Reaktionen führen. Psychische Erkrankungen kommen bei ADS ohne Hyperaktivität in allen Altersgruppen um ein Vielfaches häufiger vor, als beim der Durchschnitt der Bevölkerung.

Die häufigsten Begleit- und Folgeerscheinungen beim ADS sind:

  • Lese-Rechtschreibschwäche und Rechenschwäche
  • Emotionale Steuerungsschwäche
  • psychosomatische Beschwerden
  • Einnässen (besonders tagsüber) und Einkoten als Überlaufeffekt
  • Ängste
  • Selbstwertkrisen
  • Impulssteuerungsschwäche
  • Zwänge
  • Essstörungen
  • Depressionen
  • Nikotin- und Alkoholmißbrauch
  • Tics und Tourette-Syndrom
  • Rauschgiftkonsum und Drogenabhängigkeit
  • Schlafepilepsie mit fokalen Anfällen
  • Blicksteuerungsschwäche

Während der Zusammenhang zwischen ADS und Lese-Rechtschreibschwäche schon vielfach erörtert wurde und auch bereits von verschiedenen Fachrichtungen anerkannt wird, wird über ADS als Ursache einer Rechenschwäche noch relativ wenig berichtet.

Neben der typischen ADS-Symptomatik fällt bei den Kindern mit Rechenschwäche und ADS eine schlechte Automatisierung in den Grundrechenarten auf. Die betroffenen Kinder können nur mit den Fingern oder mit anderen Hilfsmitteln rechnen und das oft noch in der 4. Klasse. Sie vergessen schnell den Rechenweg, weil sie ihn nicht abrufbar im Langzeitgedächtnis abgespeichert haben. So können sie Plus- und Minusaufgaben nur mit den Fingern rechnen, das Einmaleins geht oft besser, da sie es auswendig gelernt haben. Sie beherrschen es solange, wie sie es täglich anwenden. Liegen die großen Ferien dazwischen, wird vieles vergessen. Drei- oder vierstellige Zahlen können sie nur untereinander addieren oder subtrahieren, nicht im Kopf oder in einer Reihe geschrieben. Außerdem bereitet ihnen das Lösen von Textaufgaben wegen ihrer Komplexität Probleme.

Werden die Hausaufgaben am Nachmittag ohne Einnahme der Stimulanzien angefertigt, so wird infolge von Botenstoffmangel nur ein kleiner Teil des Gelernten im Langzeitgedächtnis abgespeichert, wo es für längere Zeit abrufbereit gespeichert wird. Deshalb sollte bei allen Kindern von Anfang an auf eine Automatisierung beim Erlernen der Grundrechenarten geachtet werden.

Die emotionale Steuerungsschwäche ist ein wichtiges Leitsymptom für ADS. Es ist in allen Altersstufen und bei allen Subtypen nachweisbar. Auch die innere Unruhe und das ständige "Kreisen der Gedanken" im Kopf sind Symptome, über die viele Betroffene klagen. Einige Erwachsene mit ADS rauchen stark und sind alkoholabhängig, manche konsumieren gelegentlich oder regelmäßig Haschisch. Sie betreiben damit unbewusst eine Selbstbehandlung. Nach Genuss dieser Mittel verspüren sie die von ihnen so herbeigesehnte innere Ruhe, Ängste und Zwangsgedanken sind erträglicher oder nicht mehr vorhanden.

Unbehandelt kann eine ausgeprägte ADS-Symptomatik mit einer Selbstwertproble-matik, mit der ständigen Erfahrung der Erfolglosigkeit trotz intensiver Anstrengung und dem Gefühl des Ausgegrenztseins in eine Sucht führen.

Denn psychodynamisch kommt Sucht nicht von Drogen, sondern von:

  • verdrängten Träumen
  • unerfüllter Sehnsucht
  • verschluckten Tränen
  • erfrorenen Gefühlen
  • erlittener Kränkung
  • ständiger Angst zu versagen
  • nicht verstanden und abgelehnt zu werden

Somit ist die Sucht beim ADS oft das enttäuschende Ergebnis eines verlorenen Kampfes der inneren Auseinandersetzung zwischen eigenem Anspruch und dem eigentlich vorhandenen Leistungsvermögen sowie den Anforderungen der Umwelt bei schlechtem Selbstwertgefühl.

Der Genuss von Rauschmitteln dient zunächst der Konfliktlösung und dem Erleben eines gewünschten Zustandes. Kommen noch andere belastende Probleme hinzu, so ist der Weg in die Sucht schnell gebahnt.

Eine andere Möglichkeit bei innerer Verunsicherung Frust abzubauen sind die autoaggressiven Handlungen, deren Psychodynamik beim ADS wie folgt sein kann:

Ursache für Autoaggressivität beim ADS

Gefühl des Mangels an Zuwendung und Verständnis

+

Innere Verunsicherung und Enttäuschung

¯

Aggressive Anspruchshaltung (Abwehrverhalten)

+

Hilflosigkeit bei geringem Selbstwertgefühl

¯

Resignation mit Ablehnung der eigenen Person

¯

Frustabbau durch autoaggressive Handlungen

¯

sich ritzen, um Gefühl der Entlastung zu spüren

(bei Jugendlichen)

oder

mit dem Kopf gegen die Wand schlagen

(bei Kindern)

Bei den ADS-Betroffenen kommen um ein Vielfaches häufiger als bei Nichtbetroffenen Angst- und Zwangsstörungen vor.

Zwänge sind Rituale, die immer wiederkehren und sich nicht unterdrücken lassen. Sie betreffen das Denken, das Handeln und die Vorstellung.

Sie werden als störend empfunden und dienen der Neutralisation von Ängsten, Aggressionen und der Stabilisierung des Selbstwertgefühls, wenn zur psychischen Entlastung keine anderen Bewältigungsstrategien zur Verfügung stehen. Der Versuch sie zu unterdrücken baut einen starken inneren Druck auf, der als schmerzhaft empfunden wird.

Es gibt eine Fülle von ADS-assoziierten Folge- und Begleitkrankheiten (s. S. 2). Hier steht die Forschung noch am Anfang. Die Erfahrungen aus der psychotherapeutischen und psychiatrischen Praxis Erwachsener und Jugendlicher geben eindeutige Hinweise auf einen Zusammenhang von ADS in der Kindheit als Ursache für "seelische Narben" und deren Folgen im späteren Leben.

Zum Beispiel die Eßstörungen und ihre mögliche Psychodynamik im Verlaufe eines unbehandelten ADS:

Wunsch nach Zuwendung und Anerkennung

bei hohem Anspruchsniveau an sich und andere

+

Anhaltende Enttäuschungen bei geringem Selbstwertgefühl

+

Aggressive Anspruchshaltung verbunden mit dem Gefühl,

nicht verstanden zu werden

¯

Zwanghaftes Einengen der Gedanken auf Anerkennung

bei ständigen Mißerfolgen

¯

Nahrungsentzug zur Ich-Bestätigung bei sehr starkem Willen

und gleichzeitiger Ablehnung des eigenen Körpers

¯

Nahrungsverweigerung als Bestrafung und Selbstbestätigung

Hiervon sind besonders intelligente Mädchen und Jugendliche betroffen, die seit Jahren an einem schlechten Selbstwertgefühl leiden, sich selbst nicht begreifen, von anderen schon gar nicht verstanden werden und dann dank ihres sehr starken Willens das schaffen, was andere nicht erreichen, nämlich erfolgreich abzunehmen. Nimmt dabei das Zählen der Kalorien einen zwanghaften Charakter an, dann gerät die Gewichtsabnahme schnell außer Kontrolle.

Jugendliche mit diesen Folgeerscheinungen haben alle eine Selbstwertproblematik und eine reaktive Fehlentwicklung hinter sich. Nur eine Frühdiagnostik und eine Frühbehandlung des ADS könnten diesen Kreislauf unterbrechen.

Innere Bedingungen für die Entstehung einer Fehlentwicklung

Teilleistungsstörungen, schlechtes Selbstwertgefühl, geringe Frustrationstoleranz,

zu große Empfindlichkeit, kein Lernen aus Fehlern, schlechter Arbeitsspeicher,

deshalb keine adäquate verbale Reaktion möglich, sehr nachtragend,

Schwarz- Weiß- Denken, leicht kränkbar.

¯

unsichere, umweltabhängige und ich-bezogene Einstellung

mit starkem egozentrischen Willen

¯

Verhindert in der Pubertät eine ausreichende Reifung der Persönlichkeit

¯

Emotionale Labilität und Konflikte in den sozialen Bereichen

keine ernsthafte Einstellung zu Pflichten

¯

Die Durchsetzung eigener Interessen bei angemessene Selbstbehauptung

ist nicht möglich

¯

Entscheidungen werden spontan und unüberlegt getroffen

Gefühle können nicht rationell verarbeitet werden.

¯

Eine überschaubare Lebensperspektive kann nicht entwickelt werden

Noch immer wird zu lange abgewartet und mit einer Stimulanziengabe erst dann begonnen, wenn schon eine schwerwiegende seelische und/oder körperliche Beeinträchtigung vorliegt im Sinne einer reaktiven Fehlentwicklung.

Diese wird wie folgt definiert:

"Reaktive Fehlentwicklungen (früher als Neurosen bezeichnet) sind nachhaltige erlebnisbedingte Störungen der Personen- Umwelt- Beziehung mit psychischer und/oder körperlicher Symptomatik."

Die Definition der Weltgesundheitsorganisation lautet:

Neurosen (reaktive Fehlentwicklungen) sind biographisch abzuleitende und psychisch reaktiv entstandene und unterhaltene Störungen der Personen- Umwelt- Beziehung. Deren Symptome sind Anpassungs- und Verhaltensstörungen mit Fehlinterpretation der Umwelt und Fehlinnervation der Organe.

Diese reaktiven Fehlentwicklungen bewirken, dass das Kind wichtige Entwicklungs-phasen für sich nicht optimal nutzen kann. Sie belasten das Kind und seine Umgebung und können eine psychische Erkrankung zur Folge haben oder auch eine schwere Störung in der Persönlichkeitsentwicklung bis hin zur Kriminalität. Die Ursache einer solchen Entwicklung liegt weder am Kind, noch beim ADS, sondern beim sozialen Umfeld, das dieses Kind ausgrenzt, seine seelische Not nicht erkennt und ihm keine Möglichkeiten und Hilfen gibt, seine Problematik zu verstehen und sie mit professioneller Behandlung für alle erträglich zu machen. Das bedeutet nicht, dass für diese Kinder nichts getan wird, oft sogar viel zu viel, aber eben nicht das, was diese Kinder und Jugendlichen brauchen. Sie brauchen von Anfang an Eltern, Kindergärtnerinnen und Lehrer, die die ADS-Problematik kennen und dem Kind zeitig helfen, damit es erst gar nicht zur inneren Verunsicherung mit Ängsten, Aggressionen, schlechtem Selbstwertgefühl und zu reaktiven Fehlentwicklungen kommt.

Diese Kinder und Jugendlichen brauchen Strukturen und feste Grenzen. Sie brauchen aber auch Anerkennung und Bestätigung für ihr Tun. Finden sie das in der Schule, im Elternhaus und bei Gleichaltrigen nicht, so schließen sie sich gern Gruppen an, wo sie das bekommen, was ihnen bisher versagt wurde.

Bildung von dissozialen Gruppen

Fehlende Anerkennung, Gefühl des Nichtverstandenwerdens mit Ausgrenzung

+

keine warmherzige und tragfähige Beziehung zu den Eltern

fehlende Vorbilder, keine Grenzerfahrung

+

fehlende Akzeptanz gesellschaftlicher Normen und ethischer werte

+

Vermittlung von Gewalt zur Problemlösung durch Massenmedien

+

Einbindung in strukturierte Gruppen Gleichgesinnter mit fester Hierarchie

+

Alkohol und Drogen

destruktive Gewalt zur Selbstbestätigung und Anerkennung durch die Gruppe

Gruppe mit provozierender Außenseiterideologie als Protest und Selbstbestätigung





Wie kann die Entwicklung in die Dissozialität verhindert werden?

  1. Aufbau einer emotional warmen, tragfähigen Beziehung zwischen dem Kind und seinen Eltern. Feste Einbindung in die Familie mit Vorbildwirkung der Eltern und frühzeitiger Orientierung an Leitfiguren.
  2. Übernahme von Normen und Wertvorstellungen der Gemeinschaft, frühes Setzen von Grenzen, altersgerechte Förderung und Forderung des Kindes.

Erziehung zur sozialen Kompetenz mit gutem Selbstbewußtsein. Kinder müssen Grenzerfahrungen machen.

  1. Förderung sozialer Kontakte mit Üben der Interaktion, feste Einbindung in Gruppen mit Vermittlung von Erfolgen, Anerkennung und Problemlösetraining. Viel Bewegung und Sport, musisches oder kreatives Gestalten.
  2. Einbeziehung der Gesellschaft zur Vermittlung altersentsprechender und gesellschaftlicher Normen mit Ablehnung und Verzicht auf körperliche Gewalt und Darstellung von Gewaltszenen zur Lösung von Problemen in den Medien. Vorbildwirkung der Eltern und mehr staatliche Verantwortung bei der Erziehung der Kinder und Jugendlichen mit ausreichenden Freizeitangeboten.
  3. Die Eltern sollten über die Freizeitaktivitäten ihrer Kinder ständig informieren und auf deren sozialen Umgang achten.

Zusammenfassung

Das ADS an sich ist keine Krankheit. Es wird als eine neurobiologisch verankerte, spezifisch veränderte Steuerungsdynamik der Wahrnehmung, der kognitiven und emotionalen Verarbeitung und der daraus resultierenden Reaktions- und Verhaltensbildung definiert (Droll, ADD-Forum Berlin). Es kann aber unter ungünstigen Bedingungen leicht zum Ausgangspunkt für eine psychische Krankheit werden. Diese wird wie folgt definiert: "Eine psychische Krankheit ist eine krankhafte Störung der Wahrnehmung, des Verhaltens, der Erlebnisverarbeitung, der sozialen Beziehungen und der Körperfunktionen." Vergleicht man beide Definitionen miteinander, so sieht man, wie schmal der Grad zwischen beiden ist. Man erkennt aber auch, wie unverantwortlich ein Abwarten sein kann mit der Hoffnung auf Besserung oder "dass es sich verwächst". Ein unbehandeltes ADS mit ausgeprägter Symptomatik in der Kindheit hinterlässt seelische Narben, deren Ausmaß und Folgen in ihrem Zusammenhang man gerade erst zu begreifen beginnt.

 
 
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