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Rheinhessische Patienteninformation
 

Diabetes mellitus

 
 

Welche Diabetes-Typen gibt es eigentlich?

Dr. med. Dieter Burchert
Facharzt für Allgemeinmedizin
Diabetes Schwerpunktpraxis, Mainz

Beim Diabetes mellitus (umgangssprachlich: Zuckerkrankheit) handelt es sich um die häufigste hormonelle Stoffwechselerkrankung. Sie ist gekennzeichnet durch erhöhte Blutzuckerwerte und durch erhöhte Harnzuckerspiegel. Infolge des erhöhten Blutzuckers kommt es zu Störungen in allen Organen und deren Funktionen, bei länger bestehendem erhöhtem Blutzucker kommt es zu bleibenden Veränderungen an verschiedenen Geweben, den Diabetesfolgeerkrankungen. Blutzuckerspitzen vor allem nach den Malzeiten beeinflussen vor allem die Funktion empfindlicher Gewebestrukturen wie Nervenzellen, die Netzhaut (Retina), die Nierenkörperchen (Basalmembran der Glomeruli) und die Zellen der Gefäßinnenhaut (Endothel). Unterschieden wird ein Typ 1 und ein Typ 2 Diabetes mellitus.

Beim Typ 1 Diabetes kommt es recht früh nach Ausbruch der Erkrankung zu einer Zerstörung der insulinproduzierenden Zellen in der Bauchspeicheldrüse. Diese Zerstörung erfolgt auf entzündlichem und / oder immunologischem Wege. Wenn mehr als 2/3 der insulinproduzierenden Zellen zerstört sind kommt es zum Ausbruch der Erkrankung und die betroffenen Patienten müssen fortan mit Insulin behandelt werden (insulinpflichtig). Die Erkrankung tritt überwiegend bei jüngeren Menschen auf, kann aber als immunologische Erkrankung auch bei über 70-jährigen auftreten. Etwa 10% aller Diabetiker sind Typ 1 Diabetiker. Neben dem Krankheitsverlauf mit typischen Besonderheiten (deutlich erhöhte Blutzuckerwerte, starke Blutzuckerschwankungen auch unter einer intensivierten Insulinbehandlung, Gewichtsabnahme von mehreren Kilogramm bei der Krankheitsentstehung, oft können Ketonkörper im Urin neben dem Urinzucker nachgewiesen werden und im Blut können in ca. 70% der Fälle Antikörper gegen Inselzellen (ß-Zellen der Bauchspeicheldrüse) und Antikörper gegen ein Enzym der ß-Zellenmembran (GAD, = Glutamatdecarboxylase) nachgewiesen werden.

Die weitaus größere Zahl der Diabetiker haben einen Typ 2 Diabetes mellitus. Wichtig ist es zu wissen, dass der Typ 2 Diabetes mellitus zu einer Gruppe von 5 vererbten chronischen Erkrankungen gehört: 1. Übergewicht bis Adipositas Grad I bis III, 2. Bluthochdruck, 3. erhöhte Blutfette bzw. Fettstoffwechselstörungen, 4. erhöhte Harnsäurespiegel mit Neigung zu Gichtanfällen und 5. gestörter Blutzuckerstoffwechsel bis hin zur Diabeteserkrankung. An der Entstehung der verschiedenen Erkrankungen sind mehrere Gene beteiligt. Es gibt Patienten, die lediglich Übergewichtig sind, andere sind übergewichtig und haben einen Diabetes oder einen Hochdruck, andere wiederum haben Übergewicht, Diabetes und Hochdruck, manche Patienten haben z.B. nur eine Fettstoffwechselstörung. An der Entstehung des Typ 2 Diabetes mellitus ist nach derzeitigem Kenntnisstand die verminderte Ansprechbarkeit von Insulin an den Leberzellen, den Muskelzellen und am Fettgewebe, sogenannte Insulinresistenz, maßgeblich beteiligt.

Beim Diabetes mellitus Typ 3 liegt eine andere Erkrankungsursache zugrunde. Hier sind vor allem akute und chronische Entzündungen der Bauchspeicheldrüse zu nennen, z.B. bei Patienten mit Gallensteinleiden, bei Patienten mit Alkoholkrankheit, bei Patienten mit chronischen Lebererkrankungen (Hepatitis, Lebercirrhose u.a.m.). Hierzu gehören aber auch Patienten mit anderen hormonellen Ekrankungen wie z.B. bei vermehrte Produktion von Wachstumshormon (Akromegalie), bei erhöhter Kortisonproduktion (Cushing-Ekrankung), bei erhöhter Produktion von weiblichen Geschlechtshormonen (Polycystisches Ovarsyndrom) und bei erhöhter Produktion von Glukagon. Medikamentenbedingte Schädigung der Bauchspeicheldrüse z.B. bei Chemotherapie oder eine längere höherdosierte Kortisongabe etc. können ebenfalls zu einer Diabeteserkrankung führen. Bei dieser Erkrankungsgruppe fällt ein frühes Versagen der Insulinfreisetzung nach einer Kohlenhydrataufnahme auf.

Beim Diabetes mellitus Typ 4 handelt es sich um Patientinnen, die im Rahmen einer Schwangerschaft einen Diabetes mellitus entwickeln (Gestationsdiabetes). Hier spielen neben eine überdurchschnittlichen Gewichtszunahme (über 15kg innerhalb der Schwangerschaft) vor allem die hormonellen Umstellungen durch die Schwangerschaft eine wichtige Rolle. Oft normalisieren sich die erhöhten Blutzuckerwerte nach Entbinding, und dennoch müssen diese Patientinnen nachuntersucht werden, da ca. 5% dieser Patienten in den nächsten 1-2 Jahren einen Diabetes entwickeln werden.

 
 
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