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Windpocken

 
 

Windpocken – ein folgenschweres Risiko in der Schwangerschaft

Windpocken – im Volksmund auch Feuchtblattern genannt – beruhen auf einer hochgradig ansteckenden Infektion durch Varizella-Zoster-Viren. Diese gehören zur Gruppe der Herpesviren.
Die Übertragung erfolgt durch Tröpfcheninfektion bei engem Kontakt mit einem Erkrankten. Dies geschieht durch Niesen, Husten und Speichel sowie durch den Flüssigkeitsinhalt der Bläschen. Das Virus kann aber auch über eine Entfernung von mehreren Metern "angeweht" werden.

Inkubationszeit
Die Inkubationszeit liegt zwischen 14 bis 17 Tagen.
Eine infizierte Person kann bereits ein bis zwei Tage vor der Ausbreitung des Ausschlags (Exanthem) infektiös sein. Da es in Deutschland bis heute keine bundesweite Impfempfehlung gibt, stecken sich rund 75 % der Kinder mit dem Virus an. Normalerweise verlaufen Windpocken gutartig und ohne Komplikationen.
Eine Immunität besteht nach durchgemachter Erkrankung lebenslang.

Symptome und Beschwerden
Aus einzelnen roten Flecken entstehen rasch linsengroße Papeln, die sich zu wässrigen, in der Mitte eingedellten Bläschen entwickeln. Kopf- und Gliederschmerzen sowie Fieber bis zu 39 Grad begleiten die Infektion. Die roten Flecken und Bläschen breiten sich vom Rumpf ausgehend über das Gesicht, den Kopf und die Schleimhäute aus. Zuletzt werden die Extremitäten befallen.
Die stark juckenden Bläschen trüben sich bald ein und trocknen unter Krustenbildung ab.

Die Erkrankung tritt schubweise auf, sodass gleichzeitig Flecken, Bläschen und Borken zu beobachten sind. Normalerweise verschwindet der Ausschlag nach etwa 10 Tagen. Obgleich Windpocken zumeist ohne Komplikationen verlaufen, sind sie eine lästige Erkrankung.

Eltern sollten darauf achten, dass ihr Kind die stark juckenden Bläschen nicht aufkratzt. Hierdurch könnten bakterielle Infektionen verursacht werden, die Abszesse nach sich ziehen und hässliche Narben hinterlassen.

Hinweis: Wenn das Kind an hohem Fieber, Mattigkeit, Kopfschmerzen, Erbrechen oder Krämpfen leidet, sollte unbedingt erneut ein Arzt hinzugezogen werden. Diese Symptome können auf eine schwerwiegende Komplikation der Windpocken – eine Hirnhautentzündung – hinweisen.

Komplikationen für Schwangere und das Ungeborene
Rund drei bis vier Prozent aller Frauen im gebärfähigen Alter haben hierzulande keinen Schutz gegen Windpocken aufgebaut. Das bedeutet, sie besitzen weder durch eine Infektion und durchgemachte Erkrankung in der Kindheit noch durch Impfung eine Immunität gegen die Infektion. Erkranken Schwangere erstmalig vor der 24. Schwangerschaftswoche (SSW) an einem Varizellen-Infekt, wird das Virus zu rund 25 % über die Plazenta auf das Ungeborene übertragen. Hierdurch kommt es zu einem Fetalen Varizellensyndrom. Verletzungen der Haut, empfindliche Defekte der Hirn- und Nervenfunktionen sowie Augenerkrankungen und Missbildungen des Skeletts können die Folge sein.

Bei drei bis acht Prozent der infizierten Schwangeren kommt es laut Statistik zu einem Spontanabort. Bei Windpocken in den ersten 24 SSW werden regelmäßige Kontrolluntersuchungen dringend empfohlen. Sind die Schädigungen durch das Fetale Varizellensyndrom schwerwiegend, kann ein Abbruch der Schwangerschaft in Erwägung gezogen werden.

Nach der 24. SSW ist das Varizellensyndrom eine Seltenheit. Allerdings kann eine Erstinfektion der werdenden Mutter in den letzten drei Schwangerschaftsmonaten eine lebensbedrohliche Lungenentzündung auslösen. Erkrankt die Schwangere kurz vor oder bis zu zwei Tagen nach der Entbindung, kann die Infektion Windpocken beim Baby auslösen. Für etwa jedes fünfte infizierte Neugeborene bedeutet dies ein Todesurteil.

Impfen – die beste Vorsorge
Das Varizella-Zoster-Virus wurde 1952 entdeckt. Der erste Varizellen-Lebend-Impfstoff wurde in Deutschland 1984 zugelassen. Um einen zuverlässigen Schutz vor Windpocken in der Schwangerschaft zu gewährleisten, fordert die Ständige Impfkommission (STIKO) eine verbindliche Impfempfehlung für alle Kinder auszusprechen. Bei unklarer natürlicher Varizellen-Immunität junger Mädchen bietet sich zur Abklärung der erste Besuch beim Frauenarzt an.
Liegt dagegen bereits eine Schwangerschaft vor, ist eine Impfung mit der Lebend-Vakzine nicht mehr möglich.

Schwanger ohne Impfschutz
"Haben Schwangere mit negativer oder fraglicher Varizellen-Anamnese Kontakt mit einem Windpocken-Patienten, dann müssen unverzüglich die virusspezifischen Antikörper bestimmt werden", erklärt der Infektiologe Prof. Peter Wutzler/Jena.
Sind diese nicht oder nur unzulänglich vorhanden, sollte spätestens binnen 72, in Ausnahmefällen binnen 96 Stunden eine Behandlung mit Varizella-Zoster-Immunglobulinen stattfinden. Diese sehr kostspielige Therapie kann jedoch nur die Schwangere, aber nicht das Ungeborene vor schweren Verläufen schützen.

Bei einer Ansteckung der werdenden Mutter wird in jeder Phase der Schwangerschaft alternativ eine Behandlung mit Aciclovir empfohlen. Dies gilt auch für eine Therapie bei infizierten Neugeborenen.

Fazit
Da Windpocken im Kindesalter zumeist komplikationslos verlaufen, wird die Erkrankung hierzulande nicht ernst genommen. Außerdem spielt eine gewisse Impfmüdigkeit dabei eine wesentliche Rolle.

Was ist nun von der neuerlichen Impfemfehlung der STIKO zu halten?
Die USA haben es uns vorgemacht. Nach fünf Jahren der Varizellen-Impfung bei Kleinkindern und Impfraten von rund 80 % ist die Virusinfektion bereits um mehr als 80 % zurückgegangen. Auch hierzulande könnte durch ein Varizellen-Impfprogramm die Gesundheit von Schwangeren und ihren ungeborenen Kindern rechtzeitig geschützt werden.

Der Berufsverband der Frauenärzte möchte mit dieser Darstellung auf ein folgenschweres Risiko in der Schwangerschaft hinweisen. Die Frauenärztinnen und Frauenärzte sind Partner in allen Vorsorgefragen der Frauen und speziell auch in der Aufklärung über neue Impfstrategien.

Maria-E. Lange-Ernst

Hinweis
Mittlerweile gibt es für Deutschland seit Juli 2004 (Ständige Impfkommission) eine allgemeine Windpocken (=Varizellen) -Impfempfehlung:
alle Kinder von 11-14 Monaten sollen geimpft werden; bislang ungeimpfte Kinder sollten die Impfung nachholen lassen, spätestens im Alter von 9-17 Jahren.

Die gesetzlichen Kassen haben sich bisher (Stand 28.11.2004) nur vereinzelt zur Kostenübernahme bereit erklärt.

 
 
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